EAP im Wandel der Zeit

1940

Entstehung von EAP in den USA: Alkoholiker in Behandlung bringen

EAPs entstanden in den 40er Jahren in den USA, zu einer Zeit, als der 2.Weltkrieg die amerikanische Wirtschaft stark herausforderte. Mitarbeiter waren im Krieg, fehlten in der Industrie, kamen traumatisiert zurück und suchten häufig Trost im Alkohol. Gleichzeitig begann man zu entdecken, dass Sucht eine Krankheit ist, die behandelt werden kann. Es entstanden die ersten Gruppen der Anonymen Alkoholiker. Mitarbeiter wurden darin geschult Kollegen mit Suchtproblemen zu erkennen und diese zu motivieren, sich in Behandlung zu begeben, die durch den Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wurde. Diese Aufgabe, die häufig von trockenen Alkoholikern übernommen wurde, professionalisierte sich mit der Zeit. Sozialarbeiter und Psychologen nahmen sich der Aufgabe an und boten auch Hilfe bei anderen psychischen Problemen. In den folgenden Jahren wurden Gesetze und Richtlinien erlassen, die Unternehmen und Organisationen in die Pflicht nahmen, Suchtprogramme zu etablieren.

1970

"Self-Referral-EAPs"

In den 70er Jahren, als die Humanistische Psychologie (mit ihren Vertretern Rogers, Perls, Berne, Maslow, Watzlawick u.a.) populär wurde und als Selbstentfaltung und persönliche Entwicklung wichtige Werte wurden, änderte sich der Zugang zum EAP. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Arbeitgeber ein EAP anbot, konnten sich jetzt auch selbst an das EAP wenden, wenn sie ein persönliches Problem hatten, für das sie psychologische Hilfe suchten. Das Angebot von Hilfe war nicht mehr davon abhängig, dass man „identifiziert“ wurde.


Während das EAP anfänglich meist eine interne Ressource war, entstanden mehr und mehr Modelle mit externen Dienstleistern. Diese wurden oft auch als Ergänzung zu internen Angeboten genutzt, um von den Vorteilen beider Modelle zu profitieren.

1980

Ausweitung und Ausbreitung

Mitte der 80er Jahre entstanden die ersten EAPs in Japan und in Großbritannien. Auch kamen Anbieter von Work/Life-Services auf den Markt, die bei der Suche nach Kinderbetreuung und Pflege halfen. Diese Branche existierte jedoch noch völlig getrennt von EAPs mit einer ganz anderen Expertise und Ausrichtung.

2000

EAP goes Europe

Ab 2000 begann EAP sich auf dem europäischen Festland zu etablieren. Den Anstoß gaben teilweise global agierende Großunternehmen, die ihren Mitarbeitenden weltweit EAP zur Verfügung stellen wollten. Die ersten globale Anbieter kamen auf den Markt und suchten Psychologen bzw. Kooperationspartner in den verschiedensten Ländern der Welt. In Europa trafen sich 2003 einige europäische Pioniere und gründeten das Employee Assistance European Forum (EAEF), um für Vernetzung und Qualitätsstandards zu sorgen. 

Corrente gehörte zu den ersten Anbietern in Deutschland und stellte 2001 als erster Dienstleister ein nach internationalen Standards ausgerichtetes EAP bundesweit zur Verfügung. Neben dem Softwareriesen SAP und Caterpillar Motoren waren die ersten Kunden vornehmlich Niederlassungen internationaler Großunternehmen, die EAP aus Amerika kannten.

Der Markt entwickelte sich in Deutschland nur zögerlich. Die Erkenntnis, dass es sich für ein Unternehmen lohnt, ein Angebot zur Lösung persönlicher Probleme vorzuhalten, musste sich in Deutschland erst noch durchsetzen. Es wurde zunächst als unangemessen betrachtet, als Arbeitgeber in etwas zu investieren, das gefühlt in den Bereich der Privatsphäre und der Selbstverantwortung gehörte.

2005

Prävention von arbeitsbedingtem Stress

2005 wurde eine EU-Richtlinie erlassen, die zur Prävention von arbeitsbedingtem Stress verpflichtete. Mit der sich daraus entwickelnden gesetzlichen Verpflichtung von Unternehmen nicht nur Arbeitsunfällen vorzubeugen, sondern auch psychosoziale Risiken für Mitarbeiter zu erkennen und zu minimieren, entwickelte sich auch eine Nachfrage nach EAP.

2015

Anbieter von EAP

 

Heute gibt es mehr als 10 renommierte bundesweite Anbieter mit unterschiedlichen Schwerpunkten und zahlreiche lokale und regionale Anbieter. Für den interessierten Kunden ist es nicht immer einfach, die Unterschiede in Qualität, Servicemodell und Preissetzung zu verstehen und herauszufinden, welcher Anbieter das passende Angebot für das eigene Unternehmen hat. 

Daneben gibt es etwa 7 global agierende EAP-Anbieter. Diese haben ihre auf psychologische Beratung ausgerichteten EAPs mit Beratung in rechtlichen und finanziellen Fragen, Info-Websites, Health Risk Assessments und sogenannten "Wellbeing Services" erweitert, wozu Vorträge und Newsletter zu Gesunder Lebensführung sowie Gesundheitscoaching gehört.

 

EAP ist in Deutschland immer noch eine junge Dienstleistung. Gleichwohl gibt es aber in Deutschland eine mehr als 100-jährige Tradition betrieblicher Sozialarbeit, die in mancher Hinsicht mit einem EAP vergleichbar ist, auch wenn sich Wurzeln und Ausrichtung teilweise unterscheiden.

Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts gab es bereits in großen deutschen Betrieben Werksfürsorgerinnen und Betriebsfürsorgerinnen, die sich um die Nöte von Mitarbeitenden kümmerten. Auch hier fand Mitte der 70er Jahre ein Wandel statt. Die betrieblichen Sozialarbeiter spezialisierten sich zunehmend mehr auf Beratung und unterzogen sich ebenfalls einem Professionalisierungsprozess. 1984 wurde der bbs e.V.  als Sprachrohr für die betrieblichen Sozialberater in Deutschland gegründet.

 

Fazit

Wenn Sie nach dem Besuch unserer Website Fragen haben oder mehr Informationen zu Employee Assistance/EAP bzw. betrieblicher Sozialberatung wünschen, schreiben Sie an info@remove-this.corrente.de oder rufen Sie uns an:

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